Rudi

Mein Name ist Rudi Mauseloch.
Ich komme aus einer Kleinstadt in Schleswig-Holstein und bin vor 16
Jahren zum Studieren nach Hamburg gegangen. 
Geboren wurde ich vor fast 37 Jahren. 
Das sagt abereigentlich nichts aus, denn mein Alltag
ist derselbe wie ich ihn schon vor 10 Jahren gelebt habe. 
Ich verdiene meinen Lebensunterhalt mit einem Gastrojob. 
Daneben bin ich die ganze Zeit auf der Suche nach einem
Beruf, an dem ich für den Rest meines Lebens Spaß haben werde. 
Eine Ausbildung habe ich zwar gemacht, 
aber der Beruf hat keine Zukunft. 
Ich wohne nach wie vor in einer WG, weil ich mir bisher alleine keine Wohnungleisten konnte. Zweimal hatte ich schon richtig Glück mit meinen Mitbewohnern. Jetzt gerade fühle ich
mich aber eher wie ein Gast, ein Untermieter halt, weil meine Mitbewohnerin mein genaues Gegenteil und das hier ihre Wohnung ist. Meine Familie ist ganz klein, sie besteht nur noch aus 
meinem Bruder und mir. 
Eng sind wir nicht miteinander. Wir telefonieren monatlich und verbringen Weihnachten zusammen, weil er da sehr dran
hängt und sonst niemanden hat. Damit bin ich ganz gut ausgelastet und möchte nicht noch mehr Lebewesen, die von mir abhängig wären, in meinem Leben. Ich sehe meine Freunde als meine „richtige“ Familie an. Wir teilen viel und sie sind es, die da sind, 
wenn ich Unterstützung brauche.
Meine Hobbys sind Rad fahren, verlassene Orte erkunden und Linde Hop (Partnertanz zu Swingmusik) tanzen. 
Sonst höre ich lieber Punk. Es gibt noch einen Grund, warum
ich finde, mein biologisches Alter sagt nichts aus. 
Ich habe eine Transidentität. Das heißt: wie jeder Mensch weiß ich welches Geschlecht ich habe, nur wurde ich mit den
falschen Geschlechtsorganen geboren. 
Als Kind habe ich ein Jungenleben geführt, wie
ich es wollte. In der Pubertät verformte sich mein Körper in einen Frauenkörper und meine Umwelt drängte mich in ein Frauenleben. Es kommt mir so vor, als hätte fünfzehn Jahre lang jemand anderes mein Leben gelebt während ich nur zuschauen konnte. 
Inzwischen habe ich eine Transition hinter mir. 
Das heißt: ich lebe offiziell als
Mann und habe meinen Körper anpassen lassen. 
Ein bisschen ist es wie dort weiter zu
machen, wo man mal aufgehört hat. 
Ich fahre wieder Skateboard und beginne
demnächst noch eine Ausbildung und werde doch noch Seemann. Vielleicht finde ich ja auch bald eine kleine Wohnung, die ich mir mit niemandem mehr teilen muss.